Was Wirtschaft mit Medien Macht
Die Gefahr einer Vollkommerzialisierung oder die Chance einer Neupositionierung? Medien & Wirtschaft im Fokus der Österreichischen Medientage vom 21. bis 23. September.
„Feindbild Wirtschaft?“ „Für die Eigentümer oder für die Konsumenten – Shareholder Value versus Stakeholder value“, „Inhalt oder Reichweite?“ - das sind nur einige Themen der 17. Österreichischen Medientage 2010 in der Wiener Stadthalle. Das komplexe Verhältnis Medien-Wirtschaft-Medienwirtschaft ist einer der Schwerpunkte.
Um den „Wirtschaftsstandort Wien“ geht es im Eröffnungstalk – statt der Begrüßungsreden und Grußworte – zwischen dem Wiener Bürgermeister Dr. Michael Häupl, Wirtschaftskammer-Wien-Präsidentin KR Brigitte Jank und dem Medien- und Programmunternehmer Jan Mojto, der zuletzt mit Megaproduktionen wie „La Boheme“ und anderen Musikfilmen sowie TV-Serien für Furore gesorgt hatte. Wien definiert sich als Medien- und Creative Industries-Standort und investiert in den kommenden Jahren intensiv in das Medien-Quartier St. Marx. Auch das neue ORF-Zentrum könnte dort errichtet werden. Wie nachhaltig sind diese Investitionen, wie kann Wien damit international punkten? Welche Bedeutung hat die Medienwirtschaft für die Stadt Wien?
Das „Feindbild Wirtschaft“ steht im Zentrum des traditionellen Wirtschaftsgipfels, an dem Medienvertreter und Repräsentanten der großen österreichischen Unternehmen teilnehmen. Den Key Vortrag wird der deutsche Philosoph und Bestseller-Autor Richard David Precht halten, der vor Kommerzialisierung und Megamedialisierung warnt und die Gefahr einer Vollkommerzialisierung des gesellschaftlichen Lebens und der Kreativwirtschaft beschwört. Letztendlich geht es um die Frage „wie autonom Medien, die immer stärker von Finanzinvestoren geprägt sind und wirtschaftlich beeinflusst werden, ihre kritische Autonomie und objektive Distanz wahren können“, so Hans-Jörgen Manstein, Initiator und Organisator der Österreichischen Medientage, die sich heuer erstmals in der Wiener Stadthalle kompakt und auf drei Tagen konzentriert dezidiert als Fachkongress präsentieren.
Medien als Investprodukte?
Private Equity Unternehmen und renditegetriebene Finanzinvestoren übernehmen in immer stärkerem Ausmaß wirtschaftliche und unternehmerische Kontrolle über Medien – vom Pro 7-/Sat 1-Konzern bis hin zur renommierten New York Times. „Sind Medien nur mehr der verlängerte Arm von Wirtschaftsinteressen? Wie werden sich Medien in Zukunft refinanzieren?“ Darum geht es beispielsweise in den Panelen „Inhalte oder Reichweite? Was braucht der Kunde?“ und „Für die Eigentümer, oder für die Konsumenten?“ in der Moderation von Peter Rabl. Diskutanten sind Geschäftsführer von Medienkonzernen und Kommunikationsunternehmen wie Richard Grasl (ORF), Georg Pölzl (Post AG), Oliver Voigt (Verlagsgruppe „News“) und Michael Ringier, der erst vor kurzem ein strategisches Joint-venture mit dem Axel Springer Verlag eingegangen ist, um den zentral- und osteuropäischen Raum vollends zu erobern.
Die „Krake“ Google?
Um wirtschaftlich-mediale Macht geht es auch in der Google-Veranstaltung „Trends in einer vernetzten Welt“. Schließlich schickt sich der ehemalige Suchmaschinenkonzern an, sämtliche Medien-Channels, Content-Rechte und Advertising-Geschäftsfelder zu vereinnahmen und globaler Medienmonopolist zu werden.
Um Wirtschaftlichtkeit geht es letztendlich auch in der Debatte „Reichweite versus Qualität“ mit Dagmar Lang als Moderatorin und Diskutanten wie Eva Dichand („Heute“), Wolfgang Bergmann („Der Standard“), Thomas Kralinger („Kurier“) oder Paul Schauer („Gruppe Media Austria“), ebenso wie in der Digitalisierungsdebatte „Geldbeschaffung fürs Budget oder Investment in Breitband?“, wo Experten wie die RTR-Geschäftsführer Georg Serentschy und Alfred Grinschgl mit Telekom-Bossen wie Harald Himmer (Alcatel Lucent) und Michael Krammer (Orange) über die digitale Dividende und deren letztendliche Aufteilung diskutieren.
Die Medienwirtschaft steckt ebenso in einer Krise wie die Realwirtschaft: Sinkende Umsätze, neue Konsumentenbedürfnisse, geringere Renditen trotz steigendem Medienkonsum, Fragmentierung der Channels und Paradigmenwechsel im Advertising- und Marketingbusiness. Gleichzeitig bemächtigt sich die Finanzwirtschaft immer stärker der medialen Berichterstattung. Muss an kritischer Qualität und an journalistischen Ressourcen gespart werden?
„Das Themenfeld Wirtschaft und Medien haben wir heuer prominent in den Vordergrund gerückt“, sagt Mag. Michael Himmer, mit Hans-Jörgen Manstein verantwortlich für die Programmierung. „Schließlich wollen die Medientage lebendiges und praxisnahes Forum sein, das kontroversielle Ansätze aufeinanderprallen lässt.“
Über die Österreichischen Medientage 2010:
Mit etwa 2.000 erwarteten Teilnehmern sind die Österreichischen Medientage die bedeutendste Fachkongressplattform der lokalen Kommunikationsbranche. Im Jahr 2010 wurde die Wiener Stadthalle - Kongresshalle F – als Location ausgewählt, die in zwei Sälen Raum für Panel-Diskussionen und Key-Vorträge bietet. Die Österreichischen Medientage haben sich auch einem inhaltlichen und programmatischen Relaunch unterzogen. Der dreitägige, kompakte Fachkongress verzichtet auf die Medienmesse und weitet dafür das Themenportfolio aus. Um neue, auch branchenferne Zielgruppen zu erschließen, wurden nicht nur die Key Speaker mit interdisziplinären Ansätzen verpflichtet, sondern auch das Pricing verändert. Jeder der drei Tage kann für sich alleine gebucht werden – um 70,- Euro (Di, Mi) bzw. um 40,- Euro (Do). Die 4 Schwerpunktbereiche im Jahr 2010 sind: Wirtschaft und Philosophie, Politik und Gesellschaft, Zukunft der Medien und New Media.
PR und Pressebetreuung:
Multiart PR Agentur GmbH
Dr. Helmut Strutzmann
h.strutzmann@multiart.at
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