New Media versus old Media: Mythos und Missverständnis
Chaos, Krieg oder Aufbruch?: Die Österreichischen Medientage 2010 mit Relaunch und Neupositionierung
Ist New Media nur ein Schlagwort? Alter Wein in neuen Schläuchen? Oder bewirkt die digitale Revolution den größten Umsturz in der Medienwirtschaft seit der massenhaften Durchdringung durch Radio und TV? Kann sich Multimedia als „Alles für Alle und Jeden“ durchsetzen? New Media und Online-Interaktion ist einer der großen Schwerpunkte der 17. Österreichischen Medientage, die erstmals in der Wiener Stadthalle stattfinden: als zweitägiger Fachkongress und als Zukunftsforum der Medienelite.
Die Digitale Revolution ist in nahezu allen Panelen und Gesprächsrunden als Thema präsent. „Das macht auch Sinn. Schließlich ist die globale Digitalisierung der bislang tiefgreifendste Paradigmenwechsel der Kommunikations-, Marketing- und Medienwirtschaft. Ob das zu totaler Medienüberwachung oder neuem Wissenszugang und partizipativem Konsumentenmitwirken führt, weiß man (noch) nicht. Das werden wir aber ausführlich an den Medientagen diskutieren“, so Hans-Jörgen Manstein, Initiator und Organisator der Österreichischen Medientage, mit Mag. Michael Himmer auch für den Relaunch und die Programmierung der Medientage verantwortlich.
Dialog, Diskurs, aktive Teilnahme
„Die Medientage verstehen sich als Fachkongress mit hohem Dialog- und Diskursniveau. Nicht das Hier und Heute stehen im Mittelpunkt, sondern die Trends, Bedrohungen und Chancen morgen und übermorgen. Zudem haben wir das Spektrum geöffnet: mehr Politik, mehr Wirtschaft, mehr Interdisziplinarität und Key Speaker aus Nicht-Medien-Segmenten, die eine andere, kritische Sicht mitbringen sollen“, so Manstein.
Das New Media Verständnis von Jeff Jarvis, einem der Key Speaker der Medientage, prophezeit dem Prosumer und den teilnehmenden Konsumenten, die durchgreifende Demokratisierung kraft Digitalisierung.
Die Kommunikationswissenschafterin Miriam Meckel – selbst beinahe Opfer der „digitalen Lawine“ - warnt vor dem kommunikativen Overkill, die Google-Manager Jürgen Galler und Karl Pall hingegen skizzieren die „Vernetzung“ und die „Globale Multimedia-Vision“.
Der Philosoph Richard David Precht, der in seinem Bestseller „Wer bin ich und wenn ja, wie viele“ den zerrissenen, schizoiden Konsumenten analysiert hat, kritisiert die zunehmende Vereinnahmung des Individuums durch die Kommunikationswelt, der deutsche Journalist, Zeitungsherausgeber und Buchautor Frank Schirrmacher warnt vor einer Verflachung der Information und Reduktion der Interaktion auf Maschinenmechanismen.
In zahlreichen Panelen und Diskussionsrunden werden alle diese Zukunftsaspekte diskutiert. „Sicherlich diametral, emotional aber auf hohem Niveau“, ist Hans-Jörgen Manstein überzeugt.
„Wir verstehen uns einerseits als Zukunftslabor, andererseits als kritisches Korrektiv von Fachleuten für Fachleute. Wir haben bewusst auf die Medienmesse verzichtet und setzen stattdessen auf Dialog. Gleichzeitig haben unsere Partner und Sponsoren die Möglichkeit, sich und ihre Zukunftsstrategien einem Fachpublikum zu präsentieren – live und in der Diskussion“, so Manstein.
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