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10:59 Uhr

Migration, Medien, Medienkonsum und Medienwachstum?

Die Österreichischen Medientage 2010 mit Spezialthema zu Migration


„Chaos, Krieg oder Aufbruch?“ ist das Motto der 17. Österreichischen Medientage, die am 21. und 22. September in der Wiener Stadthalle stattfinden. Die Medientage, mit neuer Konzeption, neuem Programmablauf und in einer neuen Location haben 2010 ein Spezialthema aufbereitet: Medien, Migration und Medienkonsum.

 

Wien zählt zu denjenigen europäischen Metropolen, die jährlich kontinuierlich wachsen – weniger durch eigene Fertilität denn durch Migration. Mehr als 40 Prozent der erwerbsfähigen Bevölkerung sind bereits Menschen mit migrantischem Hintergrund, in den vergangenen Jahren sind vor allem die Migrationsflüsse aus Deutschland und den neuen EU-Staaten deutlich angestiegen, bei einem Minus aus dem ex-jugoslawischen Raum und nur mehr leichten Steigerungsraten aus der Türkei. Türken und Serben stellen aber nach wie vor die größten Migrantenanteile, Wien ist nach Belgrad und Niš die „größte serbische Stadt“ Europas.

 

Bei den Unternehmensneugründungen – insbesondere im EPU- und KMU-Bereich – liegen Migranten bereits deutlich über den „Einheimischen“, der TV-Konsum liegt beispielsweise bei Konsumenten mit türkischem, serbischem, kroatischem oder polnischem Hintergrund deutlich höher als bei den primär-Deutschsprachigen.

 

In Wien erscheinen spezifische Migrantenmedien – besonders stark vertreten sind Web-Radios und Musikkonsum über Handy. Ethnomarketing-Studien wie eine vor kurzem von Peter Hajek initiierte Untersuchung ergeben „deutliche Unterschiede im Medienkonsum und in der medialen Freizeitgestaltung. TV und Radio sind deutlich dominant, mit bis zu 330 Minuten TV-Konsum pro Tag. Das Handy wird als Transporteur heimischer Musik verwendet, auch Mobile-TV ist deutlich stärker vertreten als im Durchschnitt der Wiener Bevölkerung. Hingegen wird – vor allem bei Menschen mit türkischem Hintergrund – deutlich weniger gelesen“.

 

Migration und Medien, Migration und Sprache, Migration und Unternehmensgründung stehen deshalb im Fokus der Medientage. In einem eigenen Panel diskutieren unter der Leitung von Ali Rahimi, dem Vorsitzenden und Manager des Vereines Wirtschaft und Migration, Ethnomarketing-Experten wie Nenad Stevanovic, Simon Kravagna, Herausgeber der Zeitschrift „Biber“, ein deutschsprachiges Gratismagazin, das sich mit migrantischen Lebenswelten beschäftigt, Rainer Münz von der Erste Bank, europaweit anerkannter Migrationsforscher, Franz Wohlfahrt, Novomatic-CEO und Philip Newald, Tipp 3 Geschäftsführer, beide aus dem Sportwetten- und Glücksspielsegment, die mit CSR-Maßnahmen aktive Integrationspolitik fördern, sowie von politischer Seite die Wiener Frauen- und Integrationsstadträtin Sandra Frauenberger und Wirtschaftskammer Wien-Präsidentin KR Brigitte Jank.

 

„Das Thema ist brisant und zukunftsweisend zugleich. Es geht nicht nur um Medien“, so Ali Rahimi, der Moderator, „sondern um spezifische Sprach- und Ideologiemuster, um die Frage der Anpassung versus Bewahrung eigener Kulturen und Lebenswelten, und es geht um die spaltende oder versöhnende Funktion, die verantwortungsvolle Medien in diesem Prozess spielen können.“

 

Quod erat demonstrandum: Im Rahmen des Panels wird die Siegerin des Integrationspreises des ORF, Erika Tiefenbacher, vorgestellt.

 

Im Anschluss an das Panel laden die Veranstalter migrantische Unternehmer und Medienarbeiter zu einem Get-Together mit Willi Resetarits. Damit enden auch die 17. Österreichischen Medientage.

 

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