Google versus Apps
Verändern iPad, Chrome und Google-TV die Medienwelt? Die Österreichischen Medientage skizzieren die Zukunft: 21. bis 23. September 2010 in der Wiener Stadthalle
Jeff Jarvis, einer der bekanntesten Blogger weltweit, Kommentator, Guru des partizipativen Web, hat in seinem Buch „Was würde Google tun?“ die Mechanismen des von der Suchmaschine zum Mediengiganten gewachsenen Phänomens untersucht. Bei den Österreichischen Medientagen ist er live dabei: direkt aus New York und kritischer zu Google denn je. New Media und Google sowie Apples digitale Umstürze sind eines der Schwerpunktthemen bei den Österreichischen Medientagen 2010 mit dem Online Day. Erstmals in der Stadthalle, konzentriert auf drei Tage und mit einem Programm, das so diskursiv und zukunftsorientiert ist wie noch nie.
Jürgen Galler, Google-Stratege aus der Schweiz, ist einer der Key Speaker, der über „Trends in einer vernetzten Welt“ referieren und anschließend im Dialog mit dem Google-Österreichchef Karl Pall anreißen wird, was Google in der nächsten Zeit vorhat: von der endgültigen Verschmelzung von TV- und PC-Welten über die Digitalisierung des weltweiten Bibliothekenbestands bis hin zu semantischen Suchmaschinen, die assoziativ vorgehen, und neue Formen des Advertising.
Google ist heute schon der weitaus größte Advertiser im Web. Optimistische Prognosen erwarten einen weltweiten Werbeumsatz im Online-Bereich von 100 Milliarden Dollar bis zum Jahr 2012. Damit wäre Online nahe an den TV-Umsätzen. Bis 2014 soll Online-Advertising das größte Werbesegment überhaupt sein. Ein unglaublicher Siegeszug in nur einem Jahrzehnt.
Das App-Wunder
Parallel dazu hat Apple mit iPhone, iPad, vor allem aber mit den Apps die Medienwelt auf den Kopf gestellt. Die meisten großen Publikums-, aber auch Fachmedien, haben bereits ihre App-Versionen in den weltumspannenden quasimonopolistischen iTunes-Shop von Apple gestellt und erhoffen sich daraus eine Umkehr: Bezahlen statt gratis konsumieren. Wer auf jeden Fall davon profitiert ist Apple: Der Internetgigant mit den cleversten Marketingstrategien erhält pro App-Abo 35 Prozent und das risikolos, denn die Entwicklungskosten zahlen die Anbieter selbst.
Die Printkonzerne erwarten sich davon neue Erlöse und langfristig konstante Umsätze – bislang weigerten sich die Konsumenten großteils, für Web-Inhalte von Printmedien zu bezahlen.
Werbemarkt vor Umbruch?
Inzwischen gehen die Anzeigenvolumina immer stärker zurück. In Deutschland nahmen die großen Tageszeitungen und Magazine im ersten Halbjahr 2010 erstmals weniger Anzeigenerlöse als Abo- und Verkaufserlöse ein. Selbst Flaggschiffe wie Stern und Focus geraten unter enormen Druck.
Verändern Google, Apple und Co. die Medienwelt?
Fakt ist, dass mit dem iPad ein neuer, bequemer und emotional befriedigender Zugang zu den Medien geschaffen wird und dass Google mit dem angekündigten TV und seinen eBook Angeboten die Rezeptionsgewohnheiten auf den Kopf stellen wird. Über mögliche Konsequenzen debattieren im Panel „iPad und Co. – Neue Mediennutzung und Auswirkung auf Werbung und Kommunikation“ Online-Experten wie Reinhold Gmeinbauer, Friederike Müller-Wernhart von Mindshare, das mit überraschenden Studienergebnissen aufwarten kann, und Karl Wieseneder, Mobile-Web-TV Pionier und Chef von Laola1.
In dieselbe Richtung geht „Das Rote Sofa“ mit dem Thema „First online – then print?“, das von die Paradigmenwechsel in den Online-Aktivitäten der klassischen Medien handelt: mit Susanne Obermayer und Gerlinde Gerlinde Hinterleitner, die von Anfang an eine eigene Online-Philosophie verfolgten.
Der Anti-Google-Schirrmacher
Frank Schirrmacher, Herausgeber des Traditionsblatts FAZ und FAS, der in seinem aktuellen Buch „Payback“ die Gefahren eines Suchmaschinenjournalismus aus dritter Hand ebenso aufzeigt wie er vor Meinungsmonopolisierung warnt, wird ebenso treffsicher formulieren wie Jeff Jarvis, der mittlerweile etwas von seiner partizipativen Prosumer-Theorie abgegangen ist und nicht mehr so überzeugt ist, dass Online und Web zu einer neuen Mediendemokratie beitragen. Er wird vom Paulus wieder zum Saulus.
Seine Thesen werden österreichische Online-Spezialisten und Infotainment-Profis wie etwa Hannes Eder (Universal), Hans Georg Gasser (Wirtschaftsblatt) oder Franz Manola (ORF) genau unter die Lupe nehmen. In diesem Zusammenhang ist auch interessant, dass sich der ORF weitesgehend von Online-Advertising Business verabschieden muss und am 1. Oktober seine „Futurezone“ stilllegen wird.
„Wir wollen bei den Medientagen das Phänomen Online, das sich durch alle klassischen Mediendebatten zieht, fundamental diskutieren und auch zu Begriffsklärungen und zur Demaskierung von Missverständnissen kommen“, so Hans-Jörgen Manstein, Initiator und Veranstalter der Österreichischen Medientage. „Vielen sind die Dimensionen der globalen digitalen Revolution noch gar nicht bewusst. Online ist nicht ein Medium, sondern ein ganz neues Verständnis von Welt, Kommunikation und Gesellschaft.“
PR und Pressebetreuung:
Multiart PR Agentur GmbH
Dr. Helmut Strutzmann
h.strutzmann@multiart.at
Tel: +43 (0)1 535 33 45
Fax: +43 (0)1 533 92 01
