Aus für Free TV?


TV-Zukunft im Brennpunkt der 17. Österreichischen Medientage vom 21. bis 23. September in der Wiener Stadthalle

„Abschied vom Free TV“ ist der bewusst polemische Titel eines Diskussionspanels der 17. Österreichischen Medientagen, die heuer vom 21. bis 23. September erstmals in der Kongresshalle F der Wiener Stadthalle ausgetragen werden: kompakt und mit hochrangigen Key Speakern wie Richard David Precht, Miriam Meckel, Jeff Jarvis oder Frank Schirrmacher.

Im TV-Panel kommen die wichtigsten deutschsprachigen TV-Macher zu Wort und werden die Zukunft skizzieren. Einige Facts: 160 Millionen Euro für den ORF, mehr als 850 Millionen für die deutschen öffentlich rechtlichen Anstalten, öffentliche Förderung auch für private TV-Betreiber, gleichzeitig sinkende Einnahmen beim Pay-TV Riesen Sky im deutschen Sprachraum und ein Hype bei Web-TV, das mittlerweile auch schon von traditionellen Fernsehsendern bespielt wird. Sowohl RTL als auch Sat.1 und ProSieben sind im Sommer 2010 mit speziellen Apple-Apps auf den Markt gekommen.

Wie geht es weiter mit dem gebührenfinanzierten und werbefinanzierten Fernsehen? Die deutschen Privatsender verhehlen ihre Sympathie für die verschlüsselte HD+ Plattform von Astra nicht. Astra will, wie die meisten anderen digitalen Satellitenbetreiber, in Zukunft für High Value Geld verlangen: bei HD+ wird dies schon durchgängig exekutiert. Ist das der Abschied vom schrankenlosen Free TV? Für Kabel-TV muss man heute ebenso zahlen wie für öffentlich rechtliche Sender, Web-TV ist nicht gratis, da man die Datenstreams der Internetprovider begleichen muss. Das gilt auch für IPTV, wie es Telekom Austria und andere anbieten.

Wohin geht TV?
Muss letztendlich der Konsument für alles aufkommen? Zu diesem Thema debattieren Hochkaräter wie der ORF Generaldirektor Alexander Wrabetz, der Head of Media Solutions bei Google, Thomas de Buhr, der Leiter Medienpolitik bei RTL, Tobias Schmid, oder Wolfgang Elsäßer, Geschäftsführer von Astra Deutschland.

Die Debatte verspricht Spannung: Alexander Wrabetz wird erklären müssen, wie er den Added Value des ORF garantiert, der die Basis für Gebühren darstellt, die privaten Sender werden erklären müssen, warum sie ihre Satellitenprogramme verschlüsselt aussenden, obwohl sie als „Free TV“ angetreten sind und auch die Kabelbetreiber kommen in Erklärungszwänge.


Werbung allein ist zu wenig

Logisch ist, dass sich private TV-Betreiber in Zukunft durch klassische Werbung allein nicht mehr finanzieren können. Schon jetzt machen Transfererlöse mehr als 40 Prozent der Umsätze aus. Öffentlich rechtliche Sender wie der ORF werden in Zukunft aus Einnahmen aus dem wachsenden Online-Kuchen verzichten müssen (zumindest unterliegen sie Regulierungen).

Generell ist die Frage zu stellen, welche Zukunft klassisches TV angesichts der immer stärkeren Fragmentierung der elektronischen und vor allem interaktiven Medien noch hat, wie sich Consumerbedürfnisse verändern und welchen Einfluss etwa Apple mit seinem iPad oder künftig seinem eigenen TV-Programm nehmen wird. Auch Google bastelt bereits an einem TV-Konvergenzmodul, das PC- und TV-Welt endgültig verschmelzen soll.

„Das Thema Online und digitale Revolution zieht sich wie ein roter Faden durch das gesamte Programm“, so Hans Jörg Manstein, Initiator, Erfinder und Organisator der Österreichischen Medientage, „weil uns bewusst ist, dass wir uns in eine Strukturwandel befinden wie noch nie zuvor: Das gilt für alle Medien.“

Manstein und Mag. Michael Himmer, mitverantwortlich für die Konzeption der Medientage, verweisen auf weitere spannende TV-bezogene Panels: „Staatssekretär Josef Ostermayer wird mit Helmut Thoma  über das österreichische Missverständnis Medienpolitik talken, es gibt ein Panel zum Thema Film- und TV-Förderung für die Privaten und die ständig neue Debatte um Reichweite versus Content und die Kundenerwartungen.“

In einem sind sich aber alle einig: Good old TV ist noch lange nicht tot.

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